Quedlinburg bekommt neues Wohn- und Geschäftsviertel im Mertik-Gelände

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Über zwei Jahrzehnte stand das ehemalige Verwaltungsgebäude des damaligen VEB Mertik leer, nun soll dem Komplex wieder Leben eingehaucht werden. Dabei sollen dort, wo einst 3500 Menschen arbeiteten, neue Wohnungen und Gewerberäume entstehen. Laut einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung will ein Blankenburger Investor das gesamte ehemalige Mertik-Gelände am Klopstockweg in Quedlinburg umgestalten und neu bebauen.

Traditionsstandort

1877 hatten Ingenieur Otto Steinle und Geschäftsmann Hermann Hartung das Unternehmen in Quedlinburg gegründet. Teile der ehemaligen Anlage stehen noch heute – befinden sich allerdings im absolut maroden Zustand, trotz Denkmalschutz. Produziert wurden anfangs Armaturen und Messgeräte für Dampfmaschinen und Dampfkessel. Später Ventile, Pumpen und Kappen für den Bau von Lokomotiv-Motoren, dann Dampfpumpen, Druckregler, Fernthermometer, Pyrometer, Schmierapparate und Quecksilber-Thermometer. In diesem Zuge meldeten die Gründer vielerlei Patente an. 1946 wurde das Unternehmen Eigentum der Sowjetunion, 1950 als Meßgerätewerk Quedlinburg an die DDR übergeben und als VEB Mertik fortgeführt. Dafür entstanden im Gebiet zwischen Klopstockweg und dem Bahnhofsgelände neue Bauten in Stahlbeton-Skelettbauweise. Für die Fahrzeugindustrie wurden Fahrtenschreiber, Kühlwasserthermometer und -regler, Öldruckmanometer und Tachometer hergestellt. Bauteile für die Kältetechnik waren ein weiterer Schwerpunkt. Das heute noch stehende siebengeschossige Hochhaus am Quedlinburger Klopstockweg entstand in den späten 70er Jahren. Nach der Wende ging der VEB an ein amerikanisches Unternehmen, dass die Tradition als Mertik Maxitrol GmbH & Co. KG mit Sitz in Thale fortführt.

Sanierung und Neubau

Das ehemalige Fertigungsgebäude und das Hochhaus, das eigentlich abgerissen werden sollte, sollen nun saniert werden. Dafür stimmte der Bauausschuss des Stadtrates einstimmig. Oberbürgermeister Frank Ruch geht davon aus, “dass dort ein attraktiver Wohn- und Geschäftsbereich entsteht,” heißt es in der MZ. Dabei sei man darauf bedacht, dass der Mischgebietscharakter erhalten bleibe, um die bestehenden Gewerbestandorte im Umkreis nicht zu gefährden.

Die gesamte Industriebrache umfasst eine Fläche von 9500 Quadratmetern, wobei der Großteil der Fläche nach Abrissen bereits beräumt worden ist. Neben dem Hochhaus ist ein Backsteinbau stehen geblieben, der für die Haustechnik und eventuell eine gewerbliche Nutzung vorgesehen ist. Vier bis fünf Stadtvillen für moderne Wohnungen sollen auf den vorhandenen Freiflächen entstehen.

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